Montag, 28. Mai 2007

Baumkunde

Heute war es nicht so weit. Sie ist noch da. Einen ausgemachten Lokalpatriotismuss kann man ihr nicht gerade nachsagen, dieser Kälte. Eher etwas hündisches, deren Nase den restlichen Körper hinter sich herzergelt. Dieser Kalte Hund zieht um die Häuser aller Hauptstädte und durch deren Zwei-Drei- Ein-Raum-Wohnungen. Die Frage, zu welchem Baum das Blattwerk vor dem Zimmerfenster gehört, bleibt weiterhin eine zu klärenden Frage. Espen- oder Eichenlaub, Robinie oder Akazie? Wäre es Ahorn, so hätte die botanische Bestimmung ein leichtes Spiel: die Kindheitserinnerung stände stramm bei Fuße und erzählte uns eine humoreske Geschichte von langen Nasen, die unsere Väter uns auf die eigene klebten. Das Gefühl des klebrigen Samensaftes, der auf der Nase antrocknete - da ist sie wieder, diese wunderbare Amygdala, die nur eine anmutige Dame sein kann. Eine Dame, die Hüterin all dieser wundersamen Schätze ist. Trotz Kälte ist also soviel klar: Die Alten würden es wissen. Wie die Bäume heissen, wann die Kälte verschwindet und ob der Sommer uns auf einen langen Aperitiv einladen würde, der uns bis in den goldenen Oktober seinen Geschichten lauschen läßt. Vorerst hoffe ich auf einen sommerlichen Traum. Heisst es ja doch: Den seinigen gibt es der Herrgott im Schlaf.

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