Montag, 28. Mai 2007

Früher Morgen

Am frühen Morgen im Berlin Prenzlauer Berg gehören die Straßen den Kranken, den Behinderten und den Alten. All jenen, die man ansonsten hier nie sieht. Besser gesagt: In der Regel fallen sie nicht bewußt ins Blickfeld. Ein Bärtiger, reglos in seinem Rollstuhl, vor einem Zeitungskiosk, blickte starr vor sich hin. Beim Fahrradfahren ein Schnappschuß: ein Klecks aus Rot und Gelb und Starre. Ein anderer ging am Stock, mit den tief, tief gesenkten Augen Bildfragmente des Gehsteigs klaubend. Oder doch nicht: sah er den Boden wirklich? Ein dritter, aufgeschwemmt, tauchte im Rahmen des Fensters auf, als ich schon im Büro saß. Eine erstaunlich dicke und ausladende Brille trug er, die unsicher auf seiner Nase balancierte. Schlurrte den Weg hinauf, ohne Ausdruck. Die Zweige der Eichen (sind es Eichen? meine botanische Unwissenheit!) zittern wieder. Gestern Schauer, heute schon wieder Schaudern. Wann endet die Kälte in dieser Stadt?

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