Freitag, 25. Mai 2007

Zur Amygdala - Notizen

Ein schöner Name, nicht wahr?
Sie ist an allem schuld. Sie, der Mandelkern, wie die Übersetzung – nicht weniger hübsch – lautet. Sie teilt sich in corticomediale Amygdala, für die Verarbeitung von Gerüchen zuständig, Zentralkern, der mit dem Hypothalamus alle vegetativen und affektiven Reaktionen steuert, und basolaterale Amygdala.
Dieser Teil, die basolaterale Amygdala, ist der gefährlichste. Er erhält Erregungen, d.h. Informationen, aus dem visuellen, somatosensorischen und auditorischen System, außerdem vom mesolimbischen System, das „gut“ von „schlecht“ unterscheidet (subjektiv, versteht sich, Metaphysik und Ethik lassen wir bitte beiseite), und vom Hypothalamus, dem Überlebenszentrum unseres Gehirns, das vegetative Funktionen wie Atmung, Herzschlag, Kreislauf, etc. und Verhalten wie Flucht, Abwehr, Fortpflanzung und Nahrungsaufnahme steuert.
Je nachdem, ob die sensorischen Informationen über Umschaltstellen im Thalamus oder auf einem Umweg über den Cortex zur Amygdala gelangen, nehmen wir sie unbewusst oder bewusst wahr. In der basolateralen Amygdala jedenfalls werden diese unbewussten oder bewussten sensorischen Informationen mit den affektiv-emotionalen Zuständen verknüpft. Das ist der Grund, weshalb wir Orte, Gegenstände, Gerüche, Farben, Namen oft mit Personen oder Ereignissen verbinden, die für uns positiv oder negativ besetzt sind – so dass wir die entsprechenden Orte, Gegenstände, Gerüche, Farben auch positiv oder negativ besetzen. Anscheinend ist es noch unklar, ob die Amygdala sowohl gute als auch schlechte Erfahrungen verarbeitet. Manche Neurobiologen meinen aber, sie sei nur für das Negative in unserem Leben zuständig, das mesolimbische System hingegen für das Positive. Die Krux dabei: Vom mesolimbischen System weiß ich noch nichts, ich habe noch keine einschlägigen Erfahrungen mit ihm gemacht. Aber die Amygdala vergisst nicht. Glaubt Gerhard Roth. Unweigerlich – und völlig unvernünftig – ruft sie bei Wiederholung bestimmter sensorischer Informationen, ob sie bewusst oder unbewusst wahrgenommen wurden, die mit ihnen verknüpften affektiv-emotionalen Zustände wach. Also: Vor allem die negativen. Völliger Mist! Hätte sich die Schöpfung des menschlichen Gehirns nicht auf die Großhirnrinde beschränken können?

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